Meine Hypothesen

1. Haltungssünden, Untugenden wie Neid, Eifersucht, Stolz, Geiz, Hass... repräsentieren in ihrer Gesamtheit das Wesen des Bösen (Satans) in der Welt, während die Tu­genden das Wesen Gottes repräsen­tieren.

 

2. Im Kern jeder negativen Haltung steckt Nichtvergeben. Wenn z.B. jemand anders etwas hat, was ich gern hätte, dann wird daraus erst dann Neid, wenn ich das nicht vergebe (ihm, einem anderen Menschen, Gott, dem Schicksal). Andernfalls handelt es sich nicht um Neid, sondern um einen Wunsch, eine Sehnsucht.

 

3. Jedes aktuelle Nichtvergeben (Übelnehmen) führt uns hin zu ähnlichen, bereits „ge­schluck­ten“ Übeln, zu den noch nicht ver­arbeiteten, noch nicht verschmerzten Enttäuschun­gen.

 

4. Wer sich Zeit nimmt und den „Knoten“ auflöst, das heißt, dem Gefühl der Ent­täuschung nachgeht und dranbleibt, bis es sich ihm erschließt, trifft im Kern eines solchen „Komplexes" auf eine scheinbar unerträgliche Vor­stellung, der gegenüber man mit einer „Alles-nur-das-nicht“- Reaktion eingestellt ist.

 

5. Diese Vorstellung zu ertappen und den Schmerz we­nigstens kurz einmal zuzulassen, bricht den „Alles-nur-das-nicht“-Schwur.

 

6. Mit anderen Worten: Beim bewussten Wahrnehmen einer scheinbar uner­träglichen Vorstellung vergeht man nicht wie befürchtet vor Angst, Schmerz oder Scham. Sondern Angst, Schmerz, Scham vergehen.

 

7. Vorstellungen, die, durch äußere Ereignisse angetippt, Überreaktionen auslösen, sind zunächst unbewusst. Das aber nicht deshalb, weil sie so tief sitzen, also zeitlich so weit zurück liegen, sondern weil sie so blitzschnell ablaufen. Ähnlich, wie wenn in einen nor­malen Film eine Werbung so eingeblendet wird, dass man sie bewusst gar nicht wahrnimmt, aber doch darauf reagiert.

 

8. Dennoch kann man lernen, eine scheinbar unerträg­liche Vor­stellung, die uns zu negativen Haltun­gen und Überreak­tionen veranlasst, ihrem Inhalt nach in den Blick zu bekommen. Zuerst nachträg­lich, später beizeiten.

 

9. Wenn das gelungen ist, hat der Automatismus, der uns zu nega­tiven Haltungen und Überreaktionen veran­lasst, sei­ne zwin­gen­de Macht verloren. Weiches, warmes, dem Anlass angemessenes Trau­­­ern wird möglich.

 

[10. Frage: Hat uns dann ein Dämon verlassen, der im Innersten des Komplexes der Gedankenfestung wohnte?]

 

(Leseprobe aus: So können wir doch leben)